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Porträt



Woody Guthrie (14.9.1912 - 3.10.1967) zum 40. Todestag



Statt eines Berufs hat er nur zweierlei gelernt: von seiner Mutter das Singen von Volksliedern und in der Schule das Tippen. Dennoch gilt er als größter Liedermacher überhaupt. Bei seinem Tod hinterließ er rund 1.000 Lieder und Hunderte von Skizzen und Karikaturen sowie zahlreiche Zeitungskolumnen und Texte.

Die Melodien wurden von seinem jüngeren Freund Pete Seeger aufgezeichnet, da Woody keine Noten lesen konnte. Vor einigen Jahren tauchte ein Archiv auf mit mehr als der doppelten Menge des bisher bekannten Bestandes. Einige der ?neuen? Liedtexte wurden von Bruce Springsteen vertont und aufgenommen (?Mermaid Avenue?). Guthries eigene Melodien waren volkstümlich - und manche geborgt.
Fast jeder kennt ein Guthrie-Lied. Denken Sie an "This land is your land", ?Oklahoma Hills?, ?Do re mi? oder ?Pretty Boy Floyd?. Auf Bob Dylans erster LP fand sich mit einer Guthrie-Melodie der ?Song to Woody?.

Am 14.9.1912 als Woodrow Wilson Guthrie in Oklahoma geboren, wächst er in chaotischen Familienverhältnissen auf. Die Mutter stirbt an der Nervenkrankheit Huntington?s Disease (Erblicher Veitstanz), der auch er zum Opfer fallen wird. Bevor er sich als Berufssänger etabliert, schlägt er sich mit Kneipenjobs, Schildermalen, Tanz- und Straßenmusik und allem Möglichen durch. Er verschlingt Literatur zu jedwedem Thema.
Woody reist an die Westküste und macht Rundfunksendungen bei lokalen Anstalten. Er wird Musiker, schreibt Lieder zu Themen der Tagespolitik, lässt keine Schreibmaschine unstrapaziert. Sein Engagement für die ?kleinen Leute? bringt ihn in Kontakt zu Gewerkschaften und der KP, ohne dass er je Mitglied wird. Ab 1938 schreibt er für eine KP-Zeitung Kolumnen. Bei Solidaritätsveranstaltungen, Streikblockaden und Parties tritt Woody auf, singt und gibt humoristische Kommentare zum besten
Schnell verfügt er über ein umfangreiches Repertoire von Liedern und Balladen, die ihn unsterblich machen sollen. Sein Witz und Humor werden sprichwörtlich, Wortspiele bis hin zum Kalauer durchziehen seinen Sprech- und Schreibstil. Doch nervt er seine Umgebung, ist ungewaschen, betrunken, unpünktlich, unordentlich, und niemand weiß warum.
1940 findet in New York ein ?Früchte-des-Zorns-Konzert? statt, dessen Einnahmen dem ?John Steinbeck Committee for Agricultural Workers? zu Gute kommen. Woody betritt in seiner komisch-unbeholfenen Art die Bühne, murmelt einen Gruß und singt. Die politischen Lieder bringen das Publikum zum Mitsingen, die Sprüche zum Johlen.
Hinter der Bühne hält Alan Lomax, stellvertretender Leiter des Folksong-Archivs der Library of Congress, den Atem an: das ist der ?Shakespeare im Overall?! Er lädt Guthrie nach Washington ein, macht ihn u. a. mit der Seeger-Familie bekannt, verhilft ihm zu Auftritten und nimmt ihn für sein Archiv auf. In den links-progressiven Kreisen New Yorks wird Guthrie eine Berühmtheit, was ihn kaum interessiert.
Das Label ?Folkways? veröffentlicht erste LPs. Woody schreibt eine kuriose Autobiographie ?Bound for Glory? (Dies Land ist mein Land, Nautilus Hamburg 2001). Er tourt mit Pete Seeger und Freunden, die Gruppe heißt ?Almanac Singers? oder ?The Weavers?. Woody heiratet eine Tanzlehrerin und schreibt Tanz- und Kinderlieder. Er ist hier und dort - und reißt aus.
1947 wird Huntington diagnostiziert, was sein seltsames Verhalten erklärt, er wird hospitalisiert. Um 1960 kommt Bob Dylan zu Besuch - und trägt bei seinem ersten Auftritt in New York einen Anzug von Guthrie. Er gibt sich wie Woody, das hat er vom Folksänger Ramblin? Jack Elliot gelernt, der den Meister bis hin zu den Schüttelanfällen kopiert hat. Einige Jahre später wird Woodys Sohn Arlo - praktisch ein Seeger-Schüler - bekannt mit ?Alice?s Restaurant?.
Woody Guthrie ist vierzig Jahre tot, doch sein Eintreten für soziale Gerechtigkeit bleibt aktuell.

  • Infos
    ? Joe Klein: Woody Guthrie. Die Biographie. List-Taschenbuch, München 2001
    ? Micheal Kleff (Hg.): Hard Travelin?. Das Woody Guthrie Buch. Songtexte und Essays. Palmyra Heidelberg 2002
    ? Ich besitze umfangreiches Material von und über Guthrie, das ich bei Interesse gerne zugänglich mache.



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